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6 - Frühjahr 1978 Sattel, Peitsche und Führerhaus! Wie viele von uns stehen täglich bei der Haltestelle und warten auf den Autobus um zur Arbeit oder nach Hause zu kommen. Nicht immer waren es die Autobusse, welche Personen beförderten oder gar Post mitzunehmen gewohnt waren. Doch werfen wir einmal einen Blick zurück in ferne Vergangenheit: Zu allen Zeiten war der Mensch unterwegs, um zu Fuß, auf dem Pferd oder auf der Achse Mitteilungen, Personen oder Lasten zu transportieren. Als Vorläufer unserer Posteinrichtungen in Österreich gilt das so genannte Postwesen. Bereits im 13. Jahrhundert wurden reisende Kaufleute, Bäcker, ja sogar Fleischhauer verwendet, um private Postsendungen mit zunehmen. Später erschienen "laufende Boten" als eigene Berufsklasse, die von Wien aus Briefe bis Linz zu tragen hatten. Eine bedeutende Erleichterung brachte die Einführung der Reitpost. Im Jahr 1568, so berichtet eine Urkunde, bestand in Sieghartskirchen schon eine Station für reitende Post mit zwei Pferden zum Auswechseln. Die Poststrecke verlief von Wien über Stationen Purkersdorf (Gablitz war keine Poststation), über Sieghartskirchen bis Perschling usw. bis Linz. Die Postreiter trugen bereits eigene Uniformen und wurden Postillione genannt. Das Gleiche galt auch für die späteren Wagenpostillione. Das Posthorn war Zeichen des Berufsstandes und laut Verordnung hatten alle Fuhrleute den blasenden Postillionen auszuweichen. Im Jahr 1748 trat zum ersten Male der Postwagen auf, der Postsachen und auch Reisende beförderte. Im Jahr 1750 fuhr schon ein Postwagen von Wien durch Gablitz bis nach Linz. Dass dieses Reisen nicht sehr angenehm, aber oft sehr gefährlich war, davon sprechen so manche Berichte aus alten Schriften. Die Gegenden um Sieghartskirchen und Ried blieben lange Zeit Tummelplätze für räuberisches Unwesen. Auch die Chronik von Purkersdorf erzählt, dass es im 17. Jahrhundert noch ratsam war, sich im Orte eine bewaffnete Begleitung zu mieten, um ohne überfallen zu werden, durch das gefährliche Gablitztal reisen zu können. (Scherzhafte Bemerkung: Keinen von uns gemütlichen Gablitzern sieht man es heute mehr an, welche rauhbeinigen Vorfahren wir einst hatten!) Im 18. Jahrhundert wurde die Poststraße Wien - Linz ausgebaut und zum Schutz gegen Hitze im Sommer und Schneeverwehungen im Winter, eine dichte Pappelallee angelegt. Selbst heute noch zu sehende Straßenrandsteine tragen die Einkerbungen K.K.R.ST. (K. u. K. Reichspoststraße). Im Jahr 1839 wurden durch den ersten Stellwagenunternehmer J. Kuntner aus Sieghartskirchen, ein Lokalpostwagenverkehr über Gablitz nach Wien eingerichtet. Die Abfahrt erfolgte jeden Montag, Mittwoch und Freitag und Samstag um 6 Uhr früh. Endstation war die Mariahilfer Straße und die Rückfahrt erfolgte um 4 Uhr nachmittags nach Sieghartskirchen. Der Fahrpreis betrug 30 Kreuzer. Im Jahr 1864 übernahm Josef Ockermüller den Stellwagenverkehr nach Wien, der dann endgültig 1891 eingestellt wurde. Die letzte erhaltene Postkutsche erwarb nach etlichen Jahren Franz Matzka aus Purkersdorf für seine Gemeinde. Etwa 1898 oder auch schon früher stand vor dem Gasthaus F. Proidl (später Stadlmaier) der erste Autobus. Ein Daimler ohne Türen und Fenster, aber mit Baldachin, Vorhängen und Quasten, der versuchsweise für einige Monate zwischen Gablitz und Purkersdorf verkehrte. Dann am 16. Juni 1900 eröffnete A. Hermann & Co. aus Wien die "Erste Österr.-Ungarische Automobil Betriebsgesellschaft". Diese offizielle Autobuslinie war in ihrer Art nicht nur die erste in der Donaumonarchie, sondern auch eine der ersten in Europa und damit eine der ersten auch in der Welt. Nach wenigen Monaten wurde der Verkehr nach Purkersdorf abermals eingestellt, da sich ein verantwortungsloser Unfall ereignete: Der Autobus raste irgendwo mit 6 Stundenkilometer in eine Kurve - und fiel um. Autobusfahren erwies sich als zu gefährlich, dazu der entsetzliche Motorlärm und Auspuffgestank. Zukunft gab man dieser Entwicklung sowieso keine und der Bus wurde nach Traiskirchen verkauft. A. Herrmann verschwand zudem auf Nimmerwiedersehen mit der Betriebskassa. Abermals nahmen Pferdestellwagen, diesmal aus Gablitz, den Verkehr nach Purkersdorf (Kellerwiese) auf. F. Proidl und H. Gattermaier waren die hiesigen Stellwagenunternehmer. Einer der Kutscher war der bekannte Kafka Ferdl. Eingestellt wurden diese Linien 1925. Am Ostermontag 1926 erfolgte die Eröffnung der Autobuslinie Gablitz - Purkersdorf durch August Heinzelmann und Leopold Ring mit fünf Bussen. Ein zweites Unternehmen wurde später von Heinrich Gattersmayer eröffnet und betrieben. Etwa 1934 wurde die "Heinzelmann-Ring-Linie" an die KÖB verkauft, da diese bereits seit 1928 bis Hütteldorf verkehrte. Heute erstreckt sich diese Linie bereits nach Krems. Während des Krieges fuhren die Autobusse nur an bestimmten Tagen in der Woche. Zwischen 1945 und 1946 waren nur Lastwagen zur Verfügung, die den Personenverkehr nach Hütteldorf versahen. 1976 erfolgte die Inbetriebnahme der Großraumautobusse und die Umfahrung des Purkersdorfer Hauptplatzes. Also, alles in allem, ein kleines Stück Geschichte unserer Linzer Straße, an dessen Rändern ja unsere Ortschaft entstanden ist. |