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12 - Oktober 1983

Wandrer, kommst Du nach Gablitz, erzähle!

Wenn man von der Bundesstrasse 1 zwischen Purkersdorf und Gablitz zur HOCHRAMALPE hinaufsteigt, genießt
man einen wunderschönen Blick über das Gablitzbach-Tal bis nach Wien hinein. Folgt man dem KAMMWEG durch
den spätherbstlichen Wald in Richtung zum TROPPBERG, so erreicht man bald das "Rote Kreuz". Es erinnert an
einen Rechtsbrauch und nicht an eine christliche Begebenheit. An dieser Stelle trafen sich früher heimlich die
Bauern der Umgebung, um Feme-Gerichte abzuhalten. Wurden sie dabei entdeckt oder verraten, so drohte ihnen die
Todesstrafe. Später wurde an dieser Stelle ein Kreuz errichtet, weil die Christen meinten, dass damit der "Teufel"
überwunden worden wäre. Das Volk vergaß aber die ursprüngliche Bedeutung bald. Statt Feme-Gericht wurde auch
Feme-rat gesagt der Wortteil "rat" wurde durch Lautveränderung und Dialekteinfluss über "roat" zu "rot". Die Begriffe
"Kreuz" und "rot" wurden miteinander vereint und das Kreuz daher auch rot angestrichen. Damit war das "Rote
Kreuz" geschaffen.

Auf dem weiteren Weg zum TROPPBERG liegen linker Hand kleine flache Hügel. In der Römer- und Keltenzeit
waren hier Urnengräber und der Troppberg und seine Umgebung eine Siedlungs- und Befestigungsanlage.

Von der Alexander Kendl-Warte auf dem Troppberg genießt man einen weiten Blick über den herrlichen Wienerwald
mit seinen lieblichen Tälern und Höhen und den in die Landschaft eingeflochtenen Dörfern.

In Richtung zum Gut RABENSTEIN gelangt man zum "Weißen Kreuz". Hier war früher eine Richtstätte, das so
genannte Freisinger-Alarner Landgericht. Bei Grabungen wurde ein etwa 200 m langer, heute allerdings eingeebneter,
Wall entdeckt. Über dem gewachsenen Boden liegt eine Kohleschicht und darüber eine Schicht roten Lehms, die
von Kohle, Schlacke und Tonscherben aus dem 10. Und 11. Jahrhundert durchzogen ist. Dieser Wall schützte gegen
die Feinde.

In der Nähe des Weißen Kreuzes befindet sich das Gut RABENSTEIN. Dort hat am 22.10.1975 Ing. Leopold Reiner
beim Pflügen den GABLITZER RÖMERSTEIN entdeckt. Jetzt führt der Weg hinab ins Tal nach Laabach und weiter
entlang dem Gablitzbach in Richtung zur Ortsmitte.

Beim FÜRSTENBERG-BRÜNNDL gegenüber dem Kaufhaus Schober errichtete 1853 die Fürstin Charlotte von
Fürstenberg zur Erfrischung der Wandersleut´ einen Brunnen. Beim Kaufhaus Gstöttner fällt die Gedenktafel an
Ferdinand Ebner auf, dessen Grab auf dem Gablitzer Friedhof liegt.

In der Hauptstrasse Nr. 18 steht das Bauernhaus des Ing. Leopold Rainer, in dessen Hof der GABLITZER
RÖMERSTEIN aufgestellt worden ist*), der aus der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts stammt. Es ist der Grabstein
des Ehepaares Lutussa und Esinertus, wie man aus der Inschrift im unteren Teil des Steines entnehmen kann. Sie
reichen einander die rechte Hand. Die Frau Litussa hat ihre linke Hand auf die Schulter ihres Mannes gelegt. Sie
trägt ein langärmeliges Untergewand, darüber ein ärmelloses Obergewand und noch einen schweren Mantel. Das
nach innen eingerollte Haar wird von einer Haube gekrönt. Der bärtige und kurzgelockte Esinertus trägt ein
langärmeliges Gewand mit Umhang und Halstuch.

Man kann sich in das Gästebuch des Hausherrn Leopold Rainer eintragen. Zum Abschluss dieser
Sonntagswanderung sollte man in eines der gastlichen Lokale in Gablitz einkehren.

*) mittlerweile auf Linzerstraße 62 am Gebäude der Raiffeisenbank (Anm. der Red.)

Fürstenbergbrünndl
ggü. Linzerstr. 147