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20 - Dezember 1997 Lebenskunde Vergessene Weisheit unserer deutschen Art Es ist noch nicht lange her, seit mir dieses schöne und anheimelnde Wort untergekommen ist. Gerne verwendet fand ich dieses Wort als Überbegriff für eine Sammlung von Aussprüchen bedeutender Menschen, aber auch als Zusammenfassung von Beobachtungen und Betrachtungen aus einem langen Leben, welches tagebuchartig niedergelegt ist. Was aber sollte echte Lebenskunde sein? Lebenskunde kann gesehen werden als eine Richtschnur, das Leben aus der Schau unseres Volkes zu begreifen und zu führen. Eine solche "Liebe zur Weisheit" erarbeitet man sich, um allmählich jene falschen Ansichten vom Leben zu überwinden, an denen viele von uns zu tragen haben. Aus unserer Zeitwende heraus sollte der Blick in die Zukunft gerichtet werden, an der mitzuarbeiten uns heute innerstes Bedürfnis sein sollte. Es bedarf aber auch des suchenden und des forschenden Blickes in die Vergangenheit, um jene Ursprünge, Ursachen und Urbedeutungen wieder zu entdecken, ohne die wir die Vielgestaltigkeit unserer deutschen Kultur nicht verstehen können. Ins Große übertrage sollte es uns wieder interessieren, den "Bauplan der Schöpfung" zu erahnen, die darin enthaltene Ur-Ordnung, die Ur-Muster*). Nach einem von ihnen war auch unsere deutsche Kultur angelegt. Die Ur-Gesetze sorgten dafür, dass diese Kultur auch ihren hohen Sinn erfüllte. Für den suchenden und fragenden Menschen unserer Zeit kann man als Lebenskunde auch den in Schule und Familienleben fehlenden geistigen Lern- und Beschäftigungszweig bezeichnen. Lebenskunde als Weisheitswissen bezieht sich naturgemäß auch auf die Quellen der Überlieferungen und auf das Erkenntniswissen von Mitmenschen, die zum geistigen Austausch und zur Zusammenarbeit bereit sind. Lebenskunde im praktisch angewandten Sinne, dies bestätigt meine eigene Erfahrung, gibt dem eigenen Dasein Sicherheit und verbreitet im eigenen Lebensbereich eine zielführende Ordnung. Im ursprünglich mythischen Sinne, im Zwiegespräch zwischen Gott und dem Menschen, gibt Lebenskunde letztlich Antwort auf alle wesentlichen Fragen, weist den Weg durchs Leben und gibt dem Dasein einen Sinn. Dem einzelnen und der Gemeinschaft bildet sie die natürlichen geistigen Grundlagen. So könnte es für so manchen Leser dieses Beitrages eine überlegenswerte Herausforderung sein, zum vorliegenden Gegenstand eigene Gedanken, eigene Vorstellungen zu entwickeln, um mit ähnlich gesinnten Mitdenkern einander ergänzend, eine zeit- und artgemäße geistige Lebensschau zu erarbeiten. Gemeint ist hier eine Lebenssicht, die wieder den Mythos in den Mittelpunkt des täglichen Lebens stellt: Im Mythos (Verehrung und Beziehung zu einer Gottheit), spricht Gott zum Menschen durch das Schicksal, Krieg, Katastrophen, Not, Unfälle, Krankheit, Verletzung, Verlust, Streit,….. Der Mensch fühlt sich durch das Außerordentliche der Schicksalsereignisse von der Gottheit angesprochen und gemeint. Er antwortet der Gottheit durch Kulthandlungen im Sinne von Riten und Opfern. Damit zeigt er, dass er das deutliche Zeichen verstanden hat, und der Schicksalswink braucht nicht wiederholt zu werden. Damit ist auch Heilung möglich! Eine solche andere Beziehung zu den Momenten des Lebens bewirkt nach und nach eine steigende Aufmerksamkeit und höhere Wertschätzung von allem und jeden. Nichts bleibt ohne Belang. Dazu das kleine Beispiel im Erleben des Tageskreises, als einer Möglichkeit das Leben bewusst und Hochwertig zu gestalten. (Neben dem Tageskreis hat der Mensch auch noch den "Jahreskreis" und den "Lebenskreis" zur freien Gestaltung zur Verfügung.) Als Beispiel: - Erwachen am Morgen = Dank an Gott und Gebet um innere Führung - Erinnerung an Traum = die Seele kennt das Lern- und Lebensprogramm und spricht in Sinnbildern zum Tagesbewusstsein - Bewegen des eigenen Körpers und Erkennen: Dieser Tag gibt mir neue Möglichkeiten - Vorausdenken in das Tagesprogramm - Im Bad - auch an die geistige Erfrischung denken - Lächeln in den Spiegel = so begrüße ich heute die Menschen, die mir begegnen werden - Kurze Körperübungen - Frühstück = in aller Ruhe - kurze Morgenbetrachtung - lesen - kurzes Gedicht - vorlesen - Ein Lied singen = achten auf Atem, Schwingungen im eigenen Körper spüren, gesungene "Bilder" sehen, Freude empfinden - Bewusste Atmung = auf dem Weg zur Arbeit - Arbeit als Dienst an Gott empfinden - Beruf als Berufung auffassen - Abend = als Ausklang, Ruhe, Besinnung (auf den nächsten Tag) - Essen = Dank an Gott - Familie = Beisammensein in Freude, gegenseitige Berichte - Schöpferische Tätigkeit = Weiterbildung, Entspannen - Kurze Meditation = Verbindung mit eigener Geistnatur - Schlaf = lösen vom Körper, Verschmelzen mit der Seele - Man sieht, ein tiefempfundener Tag hat eine höhere Wertigkeit als ein Tagesablauf ohne Beziehungen. In einem bewusst erlebten Tag stecken Kraft und Freude In der Weiterführung unseres Gedankens, Lebenskunde auch als eine Neuvertiefung in das reiche und vielgestaltige Wesen unserer deutschen Kultur zu verstehen, sei zuletzt noch ein anregender Hinweis für die Leser gegeben, die meinen, an der heutigen Zeit verzweifeln zu müssen: Ein Gleichnis! Oft beobachtet, sieht man am Gehsteig den Asphalt aufgebrochen, und eine Löwenzahn-Blume oder ein Windling wächst daraus hervor. Mit den Fingern leicht abzureißen. Der Asphalt jedoch kann mit unseren Fingernägeln nicht einmal geritzt werden! Eines ist sicher: Die Blume selbst vermag den dicken Belag nicht zu sprengen. Wo aber liegt hier das Geheimnis der Kraft verborgen? Es sind dies die Begleitkräfte, wenn ein Organismus wächst: die eigentlichen "Kräfte des Wachstums", die niemand aufzuhalten vermag, wenn die richtige Zeit dafür gekommen ist! Für ein Volk gilt das Gleiche. Friedrich Nietzsche ahnte das Kommende, als er schrieb: "Glaubet nicht, dass der Deutsche seine göttliche Urheimat verloren hat - eines Tages wird er sich wach finden, am Morgen eines ungeheuren Schlafes." Lernen wir wieder, groß von uns selbst zu denken. *) Heraklit (griechischer Philosoph) heute: http://books.google.at/books?id=mPJrmK19nkIC&dq=ur-muster&printsec=frontcover&source=bl&ots=jtXtcg6D Rk&sig=eBl8HOQ1nM-ZY_SnTDrDRf-DGJk&hl=de&sa=X&oi=book_result&resnum=2&ct=result#PPA3,M1 Friedrich Nietsche (1844 - 1900) "Glaubet nicht, dass der Deutsche seine göttliche Urheimat verloren hat. Eines Tages wird er sich wachfinden am Morgen eines ungeheuren Schlafes" Dr. Rüdiger Dahle (Arzt, Psychotherapeut und Autor): Die 12 Urprinzipien und die Grundgesetze des Lebens unter http://www.dahlke.at/veranstaltungen/reihe_am.php#AMI |