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Dezember 2008 "HOPFEN UND MALZ - GOTT ERHALTS!" Ein Blick auf die Geschichte unseres alten "Gablitzer Brauhauses" "Prost, meine Herrn Mönche, Mitbrüder und Volk von Gablitz, - Wohl bekomm´s ..!" Dies dürften die Worte des Prior Johann WERNER, Abt der Kartause in Mauerbach gewesen sein, als zum ersten Male schäumendes Bier aus einem Fass in bereitgestellte Tonkrüge floss und vom Braumeister an die Umstehenden kostenlos verteilt wurde. Die Mauerbacher Kartäuser, die seit 1411 das kleine Dorf Gablitz als Landesfürstliches Lehen in ihrem Besitz hatten, wurden um diese Zeit von 1655 vom tüchtigen Prälat Werner in einen neuen wirtschaftlichen Aufschwung geführt. Nach dem Wiederaufbau unserer Kirche, der Rosenkranzkapelle am Kirchenberg 1642, nach der vorangegangenen Zerstörung durch die Türken, war es nun die Gründung und der Bau einer eigenen Klosterbrauerei, vorerst zur Deckung des eigenen Bedarfs, um später auch das durstige Umland damit zu beliefern. Es geschah dies im später so benannten "Unteren Wirtshaus", an welches heute noch die "Brauhausgasse" erinnert. Es war dies eine Hofstätte (Bauernhaus) mit einer Mühle, die später mit drei Eis-Teichen ergänzt wurde. Die Errichtung dieser Klosterbrauerei war ein Meilenstein in der Gablitzer Wirtschaftsgeschichte. Ein weiterer sollte bald folgen: die Mastochsenzucht ! Von dieser wurde behauptet, die größten Mastochsen gäbe es nur in Gablitz. Hier wurden die Braurückstände, die "Meische" nicht eingeackert, sondern verfüttert. Diese anerkennende Zuchtbewertung für das Gablitzer Rindvieh hatte auch eine humorvoll - unangenehme Seite bekommen: so wurde "Gablitzer Ochs" in der Folge zu einem Schimpfwort und noch bis ins 20. Jahrhundert herein, so findet man es in den Dialektwörterbüchern, bezeichnete man einen als dumm bezeichneten Menschen als "Gablitzer"! Doch zum Glück wurde es im Volk schon längst wieder vergessen. Seit 1675 scheint das Brauhaus Gablitz im Verzeichnis jener Braustätten erstmals auf, die Weizen verbraut hatten. Für das Jahr 1702 nennt die Purkersdorfer Post-Chronik den Hans Christoph Zäch, Braumeister in Gablitz, welcher 20 Jahre später 1722 jene Nepomuk-Statue schaffen und aufstellen lässt, die jetzt an der Stiege neben dem "Eigner Haus" steht. Ab 1708 scheint erstmal ein Gablitzer "Bierversilberer" (Brauhausvertreter) auf namens Paul Eder, dies im sogenannten "Bruderschaftsbuch". 1714 erlangt die Braustätte Gablitz die Bewilligung, Bier nach Wien einzuführen. 1751 werden im Dorf Gablitz 26 Häuser, darunter ein Brauhaus, zwei Wirtshäuser, ein Fleischer und ein Bäcker genannt. Im selben Jahr 1751 dürfte im Brauhaus, genannt "die "untere Mühl" eine "Stifts-Taverne" eingerichtet worden sein, also das Gründungsjahr des späteren Brauhausrestaurant. Dann, 1782 am 31. Jänner wurde das Mönchskloster in Mauerbach aufgelöst und seine im Lehensdorf Gablitz befindlichen Besitztümer zum Verkauf angeboten: 2 Wirtshäuser, 1 Brauhaus, und die Kapelle. Das Brauhaus selbst wurde vom Gablitzer Braumeister Leopold Fischer um 1000 Gulden in Schuldscheinen gekauft. Fünf Jahre später, im Jahre 1787 scheinen Jakob Ruess und Philippe Schweiger als neue Besitzer auf. 1810 ist ein Braumeister Johann Schuster von der Brauerei Gablitz auf einer Urkunde als Zeuge unterzeichnet. Ab 1820 ist Philippe Schweiger alleiniger Brauhausbesitzer. 1831 erwähnt der bekannte Kartograph Schweickhardt von Sickingen, während seiner Arbeit über unseren Teil des Wienerwaldes: "das sehr bedeutende Brauhaus in Gablitz". Folgende Besitzer des Brauhauses seien hier angeführt bis zu dessen Ende: Georg Meichl (1830-1834), 1834 - 1846 (unbekannt), Karl Schönwiese (1846 - 1858), Anton Schönwiese, auch Bürgermeister von Gablitz (1858 - 18?), Leopold Wilheim und Söhne (? - 1895), Ernst und Robert Herzfelder (1895 - 1938), Johann Bauer (1938 - 1951), Familie Herzfelder ((1951 - 1958?). In den amtlichen Tabellen der Brauereien aus den Jahren 1845 - 1893 wird die in Gablitz erzeugte Biermenge im Durchschnitt mit 5000 Hektoliter angegeben. 1872 sogar mit 8800 Hektoliter. Im Jahre 1895 vernichtet ein Großbrand beträchtliche Teile des Brauhaus, worauf die Bierbrauerei eingestellt wird. Von jetzt an liefern die Brauereien von Ottakring, Hütteldorf, Schwechat und Wiener Neudorf ihr Bier nach Gablitz. Was blieb, war nur noch das Restaurant im Brauhaus. Dieses aber vermochte es, den alten sehr bedeutenden Ruf des Hauses durch seine beiden nachfolgenden Pächter Franz Lechner und Heinrich Gattermayer vollständig wieder herstellen. Das "alte Brauhaus" wurde erneut zum wohlklingen Begriff für das wanderlustige "Wienerherz", für das Wiener Bürgertum und für die zahlreichen Forstadjunkten aus Maria Brunn. Es wurde berichtet, dass ein Protokoll aufgelegen sei, worin sich viele Gäste zum Scherze eintrugen: "er habe hier als Student auf der "Hohen Schule" zu Gablitz studiert. Trotz dieser "Hochverehrung" der Gäste von Außen wurde das Brauhaus bevorzugt aufgesucht von den ärmeren Schichten aus Gablitz. So gründeten Arbeiter, Arbeitslose und Steinbrucharbeiter im April 1898 hier die Ortsfraktion der "Sozialdemokratischen Partei Österreichs". 1920 gründeten 22 Musiker aus dem Ort "beim Gattermayer" den "1. Gablitzer Musikverein". 1934 kam es beim Brauhaus zu politischen Tumulten, als dort die christlich-soziale "Heimwehr" des Ortes, gegen die sozialdemokratischen "Schutzbündler" radikal vorgingen. Es sei auch erinnert, das Heinrich und Karoline Gattermayer einen eigenen Stellwagenverkehr nach Purkersdorf unterhielten und 1922 - 1926 einen Busverkehr nach Wien. 1938 kam es zu einem Besitzwechsel an den Bauern und Fuhrwerksunternehmer Johann Bauer aus Gablitz. Dieser Besitz wurde nach dem 2. Weltkrieg angefochten, dem ein sechsjähriger Gerichtsprozess folgte, welcher von Johann Bauer verloren wurde. Der nunmehrige Verwalter der Familie Herzfelder, Hans Hellepast, betrieb nun die Demolierung des Großteils der Brauhausgebäude, und der gesamte Grundbesitz wurde parzelliert und verkauft. Heinrich Gattermayer gab altersbedingt 1948 den Schankbetrieb auf, da seine Ehefrau bereits 1943 gestorben war. Gänzlich verarmt starb er am 4. Juli 1952 und wurde am Wiener Zentralfriedhof beigesetzt. Mit ihm ging die 300-jährige Geschichte des Gablitzer Brauhauses zu Ende. "Der hat auf der hohen Schule zu Gabiitz studiert." http://www.sagen.at/texte/sagen/oesterreich/niederoesterreich/wienerwald/gablitz.html Datenbank zur Europäischen Ethnologie / Volkskunde Artikel Wiener Zeitung Jänner 1844: www.gablitz.info/Geschichte/WienerZeitung1844HoheSchulezuGablitz.pdf Gablitz, Brauhaus um 1932 aus der Sammlung Franz Vormaurer |