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Juni 2009 Martin Luthers späte Künder: die evangelische Kirchengemeinde in Gablitz Wie so oft sind zurückliegende Geschehnisse einer Ortsvergangenheit nicht mehr bekannt und alteingesessene Gablitzer erinnern sich nur allmählich. So erlebte ich es, als ich auf den Hinweis kam: Auch die "Evangelischen" hätte es einstens hier als Kirchengemeinschaft gegeben! Eine Religionsgemeinschaft, heute eine solche wie andere auch, erschütterte vor einem halben Jahrtausend Zentraleuropa. Erinnern wir uns: Auslöser für jene gewaltig geistige Revolution an der Schwelle des endenden Mittelalters um 1500 und an der beginnenden Neuzeit war der sächsische Augustinermönch Martin Luther (1483 - 1546) aus Eisleben bei Leipzig. Es begann mit seiner Kritik gegen den Papst Leo X., welcher zur Geldbeschaffung zum Bau der Peterskirche in Rom verkünden ließ: "Begangene Sünden vor Gott können durch gespendetes Geld an die Kirche erlassen werden", dies mit dem Werbeschlagwort: "um so heller das Geld im Kasten klingt, desto höher die Seele in den Himmel springt." Luther, welcher als betont wahrheitsliebender Mann galt, wollte diese Anmaßung des Papstes, die "Heilige Schrift" für zweckdienliche Auslegungen nicht benützen zu lassen. Er protestierte und übte Kritik, und mit ihm später viele andere Christen, galt doch das Papsttum und der Hohe Klerus als moralisch auf einen Tiefstand befindlich. Im Jahr 1517 schlug er daher seine bekannten 95 Thesen an das Tor der Schlosskirche in Wittenberg an, um die gelehrte Öffentlichkeit zum Mitdenken aufzufordern. Die gegenteilige Forderung der Bischöfe, Luther solle seine eigenen Thesen widerrufen, lehnte er ab, genau so wie die gleiche Forderung von Kaiser Karl V. am Reichstag zu Worms 1521. Die "Bannbulle" (Vogelfreisetzung) des Papstes verbrannte er öffentlich. Auf der Wartburg in Thüringen übersetzte er erstmals die nur in Latein geschriebene Bibel in die deutsche Sprache, welche 1522 gedruckt wurde. Während dieser Zeit hatte sich eine große Öffentlichkeit für Luther und seiner Forderung nach einer Erneuerung des religiösen Lebens gebildet. Die als bedrückend empfunden Kirchenmacht musste in ihrer Starrheit in Frage gestellt werden. Zahlreich und aufklärend waren Martin Luthers weitere Schriften, di in der Folge auch dazu führten, dass Mönche und Nonnen aus den Klöstern austraten, geknechtete Bauern sich rebellierend gegen die Kirche und Adel erhoben. Noch hundert Jahre später führten die ungelösten Religionsspannungen zum "30-jährigen Krieg" (1618 - 1648). Soweit die Vorgeschichte. Das Lutheranische Reformationsbestreben, Augsburger Bekenntnis (A.B.), hatte auch im Wiener Raum zahlreiche Anhänger gefunden. Luthers Lehre von der Klarheit der Bibelauslegung und dem Ringen um Wahrheit in der Offenbarung Gottes in Jesus Christus hatte sich rasch verbreitet. Auf Einladung von niederösterreichischen Adeligen und Rittern kam erstmals ein evangelischer Prediger, der Rostocker Professor Chytraeus 1569 nach Wien, um eine lutherische Gottesdienstordnung für Österreich zu schaffen. Damals entstand die erste lutherische Agende (Agende siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Agende) in unserem Lande. Eingeladen auch vom Abt der Karthause in Mauerbach besuchte er auch die umliegenden Dörfer des Wientales, da von Hütteldorf westwärts alle Dörfer des Wienerwaldes bereits lutherisch geworden waren. Zentrum der lutherischen Glaubensverkündigungen war das Schloss Hadersdorf. Im Jahr 1579 versah in unserem Gebiet die Seelsorge bereits ein Lutheraner, dies mit wohlwollender Unterstützung durch die Mauerbacher Karthäusermönche. Gut hundert Jahre wirkte hier die lutherische Gottesdienstordnung in problemloser Ausübung. Dann kam es zur katholischen "Gegenreformation". Unter Führung von Kardinal Khlesl wurde anfangs des 18. Jahrhunderts das Lutheranertum mit harten Mitteln zurückgedrängt: Denunzierungen, Besitzverlust und Landesverweis für jene, die nicht bereit waren, ihren Glauben zu wechseln. "Dich werden wir auch noch katholisch machen", war damals eine oft gehörte Schreckensdrohung. Die religionspolitische Lage der Evangelischen änderte sich erst 1781, als Kaiser Josef II. das Toleranzpatent erließ: ab 500 Einwohnern im Ort durfte ein Bethaus errichtet und ein Pastor angestellt werden und eine Schule eingerichtet werden. In den Jahren bis 1918 waren in unseren Dörfern evangelische Religionslehrer tätig. 1914 kam es zur Gründung der evangelischen Gemeinde Wien-Hietzing unter Ein- beziehung des Wienerwaldes. 1919 kommt es in Wien 14. (Mauerbachstraße) und in Purkersdorf zu evangelischen Vereinsgründungen und Lutherfeiern. 1926 Gründung einer eigenen Pfarre Purkersdorf mit Einschluss auch des Dorfes Gablitz. Friedrich Kröcker wird zum Pfarrer gewählt (siehe Bild) 1927 und nur in diesem Jahr werden in Gablitz evangelische Gottesdienste abgehalten. 1929 wird ab diesem Jahr den Kindern unserer Volksschule evangelischer Religions- unterricht gegeben. 1945 wird Dr. Walter Stöckl neuer Pfarrer in Purkersdorf und bleibt bis 1971 1945 werden in Gablitz wieder Gottesdienste abgehalten. Dies zuerst in unserer Volksschule. Gleichlaufend wurden "Bibelrunden" in Privatwohnungen geführt. 1954 Pfarrer Dr. Walter Stökl und Frau Anni Weiniger vereinbaren, im Hause des ehemaligen "Gablitzer Sanatorium von Dr. Josef Weiniger" eine Filialkirche einzurichten. 1955 wurde in der früheren Garage der nunmehrigen "Dr.Weiniger-Villa" (siehe Bild unten) in der Kirchengasse 10 ein Kapellenraum eingerichtet, dies mit einem einfachen Altar, Bänke und Vorhänge. Jeden zweiten Sonntag (10.30 Uhr) wurde hier von Pfarrer Dr. W. Stökl die Heilige Messe mit Kindergottesdienst zelebriert. Evangelischen Schulunterricht gab es für etwa 20 Kinder in drei Wochenstunden durch Schwester Hilde. Alle offiziellen Anlässe und Veranstaltungen fanden in der Pfarre Pressbaum statt. Dennoch galt für die Purkersdorfer der Ort Gablitz als "steiniger Boden" in geistlicher Hinsicht. Selbst eine besondere "Missionswoche" brachte keine Änderung. 1964 wird wegen des Verkaufes der "Dr.Weininger-Villa" das pfarrliche Leben ein- gestellt. Am 11. April findet hier der letzte Gottesdienst statt. Rückblickend haben in der "Gablitzer Garagen-Kapelle" dennoch fünfzehn Paare geheiratet und die Zahl der evangelischen Gläubigen stieg von 1950 von 130 bis zum heutigen Tag in Gablitz auf etwa 300. Man sieht, dem redlichen Bemühen blieb der Segen Gottes erhalten. FRANZ VORMAURER Quellennachweis: 75 Jahre Evangelische Pfarrgemeinde A.B. Purkersdorf 1927 - 2002 Frau Herta Kaufmann und Frau Fleur Leutgeb mit herzlichem DANKESCHÖN für die zur Verfügung gestellten Fotos und Informationen http://de.wikipedia.org/wiki/Nathan_Chytr%C3%A4us http://de.wikipedia.org/wiki/Melchior_Khlesl http://geschichte.landesmuseum.net/index.asp?contenturl=http://geschichte.landesmuse um.net/personen/personendetail.asp___ID=115999485 |