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16. Mai 2010 - Gastautor Robert Kubart Verschanzt im Wienerwald: 950 JAHRE LAABACH Der Gegend um die Riederberghöhe sieht man die kriegerische Vergangenheit kaum mehr an. Doch genau diesem Umstand könnte die erste, urkundliche Erwähnung von Laabach zu verdanken sein: "Bischof Ellenhart von Freising tauscht mit einem seiner Unterthanen Namens Wintheri eine Hube zu "Loupach" gegen eine andere zu Ollern ein. 16. Mai 1060, Ulmerfeld" verkünden uns die alten Dokumente *) |
Heute ist die Laabacher Schenke ein beliebtes Ausflugsziel frischlufthungriger Großstädter und liegt am nord- westlichen Ortsende von Gablitz inmitten sanfter Wienerwaldhügeln - ein gastliches Haus mit bodenständiger Küche. Der Gastgarten und die große Spielwiese laden zum gemütlichen Verweilen ein. Seit 1950 befindet sich die Liegenschaft im Besitz der Familie Schleichl und wird, allen bürokratischen Hindernissen zum Trotz, von Generation zu Generation weitergegeben. Werfen Sie einen Blick auf die alten Grundbuchsauszüge des Bezirksgerichts Purkersdorf, wo es als "Haus Nummer 1" von Laabach und "Erbhof" in der Erbhöferolle von Gablitz amtlich eingetragen ist (Quelle: Häuserchronik Gablitz/Hannah Brand). www.gablitz.info/Geschichte/FotoarchivHannahBrand/LaabachErbhof.pdf |
Eine von mehreren möglichen Namensdeutungen für "Laabach" leitet sich vom mittelhochdeutschen "lôbach" ab; "lô" oder "lôch" bedeutet Gehölz, Wald. Später wurde loupach daraus, wobei loup wiederum Laub, Wald bedeutet; "ach" verweist auf ein sumpfiges Gebiet, einen Bach, der in der Tat dort fließt und heute einen kleinen Fischteich speist. Die Verwandlung von b zu p und wieder zu b dürfte mit den germanischen Lautverschiebungen zusammenhängen (Altdeutsches Namenbuch). |
Als Hube wurde ein Besitz von zirka 30-45 Joch (1 Joch = 0,57 ha) bezeichnet, der es einem Landmann mit seiner Familie erlaubte, sich davon zu ernähren und er es jährlich mit einem Gespann Pferde bestellen konnte. (Bild rechts: Meyers Konversationslexikon 1888) Im Mittelalter wurde schwunghafter Handel mit Huben betrieben, im bäuerlichen Sprachgebrauch der Alpenländer ist es noch heute ein verbreiteter Begriff, auch Familiennamen wie Huber, Hueber, Huemer sind daher abgeleitet. Doch welche Gründe könnte es für diesen Tausch damals gegeben haben ? |
Es waren unruhige Zeiten in ganz Europa und der lang gestreckte Bergrücken des Wienerwaldkammes, welcher sich von Klosterneuburg über den Riederberg bis weit hinunter nach Süden zieht, war damals eine oft umkämpfte Machtgrenze. Bereits im frühen Mittelalter mit Befestigungsanlagen "gespickt", sind die Spuren noch heute zu erkennen. Wallanlagen um dem Rauchbuchberg, Taglesberg, Schanzen bei Ollern und Ried sowie Reste einer Burg bei Ried am Riederberg zeugen von der strategischen Bedeutung, denn im 9. und 10. Jahrhundert bedrohten immer wieder die Ungarn unser Gebiet. Die Magyaren hielten sich für die Errichtung ihrer Anlagen sowie zur Verrichtung anderer Arbeiten sogar slawische Zwangsarbeiter. Die Zahl der in Europa erhaltenen Wallanlagen geht in die Tausende. Bisweilen liegen die Beispiele nur wenige hundert Meter voneinander entfernt. Häufig sind diese Zeugnisse der Vorgeschichte sogar der einheimischen Bevölkerung unbekannt. Robert Kubart kennt diese verborgenen Plätze. Anlässlich des 950-Jahr-Jubiläums von Laabach veranstaltete er einen spannenden Rundgang zu verborgenen Plätzen in unserer Gegend, Fotos unter http://www.gablitz.info/DreamHC/Seite50.html |
Diese Wallanlagen wurden von "Waldhäuslern" betreut und bewacht, diese hatten laufende Reparaturen und Instandhaltungsarbeiten zu erledigen, indem sie Buchenhecken anpflanzten, wobei die Äste junger Bäume nach unten gebogen und fixiert wurden, in den Zwischenräumen wurden dornige Gebüsche (Rosen, Himbeeren etc.) gepflanzt. Reste dieser Behausungen sind auch heute noch im Wald zu entdecken, eines dieser sogenannten "Wegeräumerhäuser" ist u.a. das letzte Haus in Gablitz (Linzerstr. 184) neben dem Gasthaus Huber. Viele der markierten Wanderwege in unserer Gegend sind alte Handelswege, selbst der Jakobsweg, welcher an der Klosterruine vorbeiführt, könnte eine auch strategisch wichtige Handelsroute gewesen sein, welche durch Verteidigungsanlagen geschützt wurde. In der Pfarrchronik von Ollern findet sich ein Eintrag von Pfarrer Dr. Franz Zarl, der Geschichte studiert hatte, dass der kleine Wall und Graben an der Südseite des Pfarrhofes ein Stück der alten Umwallung des Hauptsitzes der Freisinger Herrschaft und der Pfarrhof Ollern das Zentrum war. Davon zeugt heute noch eine Marienstatue über dem Eingang. Nach Rücksprache mit dem Bundesdenkmalamt könnte diese Grenze sogar schon während der Römerzeit existiert haben, als Einfriedung des römischen Vorzeigehofes "Alarun", über den die Zehenteintreibung für das Römerlager "Comagenis", dem heutigen Tulln erfolgte. Über diesen Vorzeigehof berechneten die Römer nämlich die Höhe der Abgaben, die die Bauern abzuliefern hatten, allen Ausreden von wegen angeblicher Missernten etc. wurde so der Boden entzogen - Vergleiche zu den Schätzungsmethoden des heutigen Finanzamtes sind rein zufällig, dies auch im Hinblick darauf, dass die damalige Steuerbelastung bei lediglich zehn Prozent lag. Bedauern bis dato Altersforscher das Fehlen von Bildern oder Zeichnungen der einst stolzen Burg Ried, so freuen wir uns, Ihnen einen Schatz aus der Sammlung von Franz Vormaurer vorzustellen: "Ruine der ehemaligen Ritter von Ried am Hausberg" - Ansichtskarte aus dem Jahr 1909 |
*) Concambium inter Ellenhardum episcopum et Uvintherum seruum ecelesie. Traditit idem (Uvin)therus proprietatis sue hobam unam in loco qui dicitur Loupach iuxta lignum domini, ad altare sancte Marie et in manus Ottonis aduocati presente et conprobante episcopo Ellenhardo. Pro hac traditione ex proprietate ecclesie et ex beneficio Ottonis filii Perhtoldj co(mitis) ipso permittente atque petente per manus etiam Ottonis aduocati eidem Uvinthero tradita est ab episcopo hoba vna in proprietatem in loco qui dicitur Alarun. Actum est istud con(cam)bium aput Udimaresphelt anno domini MLX., XVII. kal. Iunii, feria iii. Pentecostes. Eadem commutatio iuramento conlaudata est a familia presente agente et confirmante. Hi sunt testes, liberi homines Rotpreht, Cotti, Timo, Heriman, Ozi, Hadamar, de familia Gerolt, Albrich, Phedigoz, Liutpolt, Ederam, Waltman, Ogo, Managolt, Chuonrat. http://www.mom-ca.uni-koeln.de/MOM-CA/show_charterDetail_Action.do?id=240609&highlight=yes&type=simple http://books.google.at/books?id=H6nNAAAAMAAJ&q=loupach&dq=loupach&lr=&cd=20 www.burgried.at siehe auch: "Als Gablitz noch bei Ungarn war" und "Machtgrenzen am Riederberg" Mit herzlichen Dank für die liebenswürdige Unterstützung an: Mag. Heidemarie Specht MAS Diözesanarchiv / Diözesanbibliothek St. Pölten Dr. Karl Heinz, MAS ICARUS - International Centre for Archival Research Monasterium/MATRICULA Projektkoordination Wien Verlinkung auf Datenbank www.monasterium.net Mag. Dr. Angela Bergermayer Österreichische Akademie der Wissenschaften / Austrian Academy of Sciences Zentrum Sprachwissenschaften, Bild- und Tondokumentation / Centre of Linguistics and Audiovisual Documentation Institut für Österreichische Dialekt- und Namenlexika / Institute of the Lexicography of Austrian Dialects and Names Wien |
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Auch die Autorevue berichtete: http://www.autorevue.at/landpartien/gablitz-laabacher-schenke.html |