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2 - Gablitzer Volksblatt März 1976 RÖMERFUNDE IN GABLITZ Der Römerstein vom Rabenstein Am 18. November 1975 gab es in Gablitz ein Ereignis, das als ein markanter Punkt in der Geschichte unseres Ortes erhalten bleiben wird: Am Rabenstein, dem westlichen Zipfel unseres Tales, wurde ein herrlicher römischer Grabstein geborgen. Angefangen hat es damit, dass der Jungbauer Leopold Rainer einige Tage vorher mit extragroßen Pflugscharen eine Wiese umackerte, als er plötzlich an einem Stein hängen blieb. Als der dann daranging, dieses Hindernis auszugraben, gewahrte er vor sich eine große Steinplatte, auf welcher sich eine herrliche Bildhauerarbeit und römische Schriftzeichen befanden. Mit Hilfe seiner Mutter wurde der Stein freigelegt. Sie haben dem Bundesdenkmalamt den Fund gemeldet, und das, was die Grundbesitzer nur ahnten, wurde ihnen bestätigt: Es handelt sich bei dieser Platte um einen Römergrabstein, vermutlich aus der dem zweiten nachchristlichen Jahrhundert. Für die Fachwelt zählt die Grabplatte zu einem der schönsten und besterhaltenen Stücke dieser Art. Der Onkel des Jungbauern, Ob-Sekr. Rainer, glaubt, dass die Flurbezeichnung "Rabenstein", im Dialekt "Robnsta" - "Romsta" genannt, von Romstein - Römerstein hergeleitet worden sein könnte. Hochbuch hieß noch im vorigen Jahrhundert "Hochburg". Wo sind also die Reste dieser "hochgelegenen Burg" zu suchen? Wenige Tage später konnte der Stein von unseren Gemeindebediensteten unter Herrn Streimelweger und der Aufsicht von Fachleuten des Bundesdenkmalamtes freigelegt werden. Er ist zwei Meter lang, einen Meter breit und dreißig Zentimeter stark. Das Gewicht wurde auf ca. 1.000 Kilogramm geschätzt. In Stein gehauen ist ein Kinderkopf. Ein Büstenrelief eines Mannes und einer Frau, die sich die Hand reichen, kann man erkennen, darunter zwei Delphine. Der mittlere Teil des Steines ist von herrlich gearbeiteten Säulen begrenz, zwischen denen sich die Schrift befindet. Soweit bisher nach den Ermittlungen feststeht, hat ein Mann für seine verstorbene Frau LITUSSE und später auch für sich diesen Stein errichten lassen und hiefür den Göttern geopfert. Der untere Teil hat Sockelcharakter und von hier führt eine Zapfenverlängerung zur festeren Verankerung im Fundament. Seitenflächen und Rückwand waren roh gearbeitet. Beschädigungen durch frühere Pflugscharen sind zu erkennen. Inzwischen wurde der Stein in die Bildhauerwerkstätte des Bundesdenkmalamtes im Arsenal gebracht, wo er ergänzt und wissenschaftlich untersucht wird, um anschließend wieder nach Gablitz zu kommen, wo er einen würdigen Platz auf Linzerstraße 62 links am Gebäude der Raiffeisen-Bank, gut bewacht, weil gleich unterhalb des neuen Polizeipostens gefunden hat. Gewiss werden viele Gelehrte und Interessenten von nah und fern in Gablitz erscheinen und manchen Bericht und viele wissenschaftliche Abhandlungen verfassen. Alle werden dazu beitragen, das Gablitztal weiter bekannt zu machen. In uns aber möge der Fund des Römersteines das Kulturbewusstsein stärken. NÖN - Zeitungsbericht August 2009 Römische Ausgrabungen in Tulln |