3 - Gablitz, März 1977

Das Kaiserdenkmal zu Gablitz

"Denkmäler haben ihre Geschichte." Dieses alte Sprichwort
trifft auch für ein Ehrendenkmal zu, welches anlässlich des
80 jährigen Geburtsfestes für Kaiser Franz Josef I. errichtet
wurde und von dessen einstiger Existenz und auch Standort
heute nur noch wenige Gablitzer wissen.

Das kulturelle Gablitz um die Jahrhundertwende wurde fast
ausschließlich von jenen begüterten Wiener Bürgerkreisen
gebildet, die hier regelmäßig zur Sommerfrische weilten.
Mittelpunkt des örtlichen Gesellschaftslebens war der bekannt
Fabrikant und Komponist
Heinrich Lefnär. Ein Mann, voll
von schöpferischer Tatkraft, patriotischer Gesinnung und
ausgeprägter Kaisertreue. Dieser nahm nun das bevorstehende
Geburtsfest des Kaisers zum Anlass, diesem und zum Segen
der Gemeinde ein Denkmal zu setzen. Sein Vorschlag fand
Zustimmung und ein nun gegründetes "Denkmal-Komitee"
gewann den bekannten Bildhauer Prof. J. Benk, welcher auch
das Deutschmeister-Denkmal in Wien schuf. Als Aufstellungsort
wurde jene Stelle gewählt, auf der heute der unansehnliche "Trafo"
steht gegenüber der Bäckerei F. Gruber. Dann, am Sonntag, den
13. August 1911, war es soweit. An diesem Tag sollte durch
Erzherzog Karl ALBRECHT die Denkmal-Enthüllung gefeiert
werden. Die Gemeinde, der Verschönerungsverein und viele private
Spender hatten dieses Werk ermöglicht. Der Vorabend wurde mit
einem Fackelzug eingeleitet und den festlichen Tag kündigten
bereits um fünf Uhr Böllerschüsse an. Die Veteranenkapelle "Fürst von Dietrichstein" durchzog den Ort mit klingendem
Spiel. Am Ortseingang, an der Linzer Reichspoststraße, erhob sich ein mächtiger, mit den Reichsadlern geschmückter
Triumphbogen. Fahnenmasten zogen sich von hier bis hin zum Denkmal und rund um dasselbe. Vor dem Denkmal
stand ein prächtiges in rot und gold gehaltenes Ehrenzelt. Die Häuser waren mit Fahnen und meist auch mit einem
Kaiserbild geschmückt. Rund um das Denkmal hatten die Bannerträger der Vereine, weiß gekleidete Mädchen und
Knaben mit schwarzgelben Schärpen, die Geistlichkeit und die geladenen Gäste Aufstellung genommen. Zur Linken war
die Musik des Infanterieregimentes 19, ferner der Sängergauverband "Wienerwald" mit Chormeister Schöny postiert, zur
Begrüßung des Erzherzoges und der Ehrengäste fanden sich Bürgermeister Leopold FRITZ mit der Gemeindevertretung
und das Denkmal-Komitee mit Obmann H. Lefnär beim Ortseingang ein.

Um 11.30 trafen Ackerbauminister v. Widmann, Bezirkshauptmann Zander, Bezirkskommissar Helfert, Forstrat
Pönnisch und der Wr. Vizebürgermeister Dr. Parzer ein. Böllerschüsse kündigten das Nahen des Hofautomobiles an
und Minuten später traf Erzherzog K. ALBRECHT in Begleitung seines Adjutanten Grafen LIPKA ein.

Just bei dieser Gelegenheit soll Bgm. Fritz eine (für die Zuseher) lustige Verwechslung unterlaufen sein. Er hielt den mit
mehr Medaillen, Lametta und Helm angetanen Adjutanten für den Erzherzog und sprach diesen auch so an.
Ortsnachtmeister Alois Kamehl soll den Erzherzog mit: "Habe die Ehre, Herr Erzherzog" begrüßt haben. Durch ein
dichtes von Feuerwehr und Veteranen gebildetes Spalier schritt nun der Erzherzog vom Publikum mit Hochrufen begrüßt
dem Festplatz zu und betrat das Kaiserzelt.

Nun aber war Bürgermeister L. Fritz an der Reihe. Fritz, ein ehrsamer und rechtschaffener Wagnermeister, war
sicherlich alles besser als ein großer Redner. Deshalb hatte er seine wohlvorbereitete Rede auf einem Zettel notiert, den
er im Hut verborgen halten wollte. Jetzt aber im eigentlichen Moment konnte er diesen nicht finden. Nach einer kurzen
Einleitung konnte Bgm. Fritz nicht mehr die richtigen Worte finden und die Verwirrung wurde groß. Erzherzog K.
Albrecht sah natürlich, was los war und nahm Bgm. Fritz die Qual des rednerischen Nichtmehrweiterkönnens ab. Nun
fragte er den Bürgermeister verschiedenes über seine Sorgen in der Gemeinde und wie es mit der Arbeitsbeschaffung
allgemein stünde. Bgm. Fritz entgegnete nun mit einer Antwort, die als Anekdote mehr als ein halbes Jahrhundert
überdauerte: "Wissen Sie Majestät, a bisserl was gibt`s immer zum Umananderscheißen."

Der allgemeinen Heiterkeit war nun keine Schranken gesetzt und auch der Erzherzog lächelte wie man damals sagte -
huldvoll. Nun war es die Schülerin Fanny MARKA, die ein Festgedicht vortrug, worauf ihr der Erzherzog eine
Goldhalskette überreichte (Anm.: Nach dem 2. Weltkrieg wurde von Amerika aus bei der Gemeinde wegen der
historischen Echtheit des Ketterls nachgefragt). Nun begrüßte Obmann H. Lefnär den Erzherzog und bat diesen die
Enthüllung vorzunehmen. Erzherzog Albrecht bezeichnete in seiner Erwiderung die Schaffung des Denkmals als eine
patriotische Tat und schloss mit einem dreifachen Hoch auf den Kaiser. Auf ein Zeichen des Erzherzoges fiel nun die
Hülle und die Musik intonierte die Volkshymne. Hierauf nahm der Dechant von Maria Brunn, Anton Tobler unter großer
Assistenz der Geistlichkeit die Weihe vor. Die Gymnasiastin Grete Eschenbacher, brachte nun ein Festgedicht,
welches mit Heilrufen auf Kaiser und Reich ausklang.

Der Erzherzog dankte und überreichte ihr in einem Etui ein goldenes Armband mit den Initialen des Kaisers. Sodann
übernahm der Bürgermeister das Denkmal in die Obhut der Gemeinde. Nun stellte der Bürgermeister dem Erzherzog die
Bürgermeister der umliegenden Gemeinden, Prof. J. Benk, Gemeinderat Dr. Singer, Oberlehrer Rammler, Karl
Eschenbacher, Julius Heckenberg, Anton Eigner, Fritz Farisch, Adolf Hirt, Johann Kraft, Karl Marka, Johann Putz und
Chormeister Schöny vor. Auch der älteste Veteran des Bezirkes, der 90 jährige A. Kupetz wurde dem Erzherzog
vorgestellt. Nachdem der Erzherzog die Urkunde unterzeichnet hatte, kredenzte ihm Frau Helene Lefnär ein Glas
Gumpoldskirchner Kaiserwein. (Das Glas existiert noch heute in der Familie.) Um 12.30 Uhr verabschiedete sich der
Erzherzog und fuhr unter Hochrufen der Bevölkerung nach Wien zurück. Am Nachmittag veranstaltete das
Denkmal-Komitee in den Anlagen der Brauhausrestauration zu Gablitz ein großes "Kaiserriesenfest" (Eintritt 50 Heller)
mit Militätkonzert und Volksbelustigungen. Soweit nun die Überlieferungen zur Enthüllungsfeier.

Die Zeit verging und das Denkmal bereicherte nun das kulturelle Ortsbild und hatte durch sein Entstehen mitgewirkt, den
Ort durch Zeitungen weiter bekannt zu machen. Drei Jahre waren nun vergangen und am Himmel des Kaiserreiches
zogen sich drohende Gewitter zusammen. Vier Jahre donnerten die Geschütze im Reiche und als sich der Rauch der
Verwüstungen verzogen hatten, waren das Reich und Kaiser Franz Josef nicht mehr. Wie oft im Leben, was gestern
noch zu den höchsten Werten zählte, lag heute vielleicht schon am Boden. So erging es auch dem Gedenken des
Jubelkaisers. 1918 wurde seine Büste vom Sockel gerissen, wenige Jahre später folgte die eingelassene Inschriftentafel,
die zu Ehren von Bundeskanzler Dollfuß ausgetauscht wurde. Das staatliche Postament selbst wurde nach 1945
vermutlich zertrümmert und als Füllmaterial in das Fundament des jetzigen Trafo-Häuschens geworfen. Die Büste selbst
wurde noch nach dem 2. Weltkrieg am Dachboden der Schule gesehen, doch fehlt seither jede Spur.

Das kurze Schicksal des Kaiserdenkmales zu Gablitz zeigte die Brüchigkeit von jeweils zeitgemäßen Bekenntnissen,
den raschen Wandel aller Dinge und die Kraftlosigkeit des bisher vom Menschen Geschaffenen. Bedauerlich ist es
deshalb immer, wenn es Kulturschöpfungen trifft, denen eigentlich die Zeit zur Maßstabnahme dienen sollte.


Standort des Denkmales heute: Hauptstrasse 17

Ein Zeitungsartikel aus dem Jahr 1985 über die neuerliche Aufstellung des Denkmales wurde uns von einem Leser dieser Website
dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt. Um Unparteilichkeit bemüht, veröffentlichen wir auch diesen unkommentiert. (Die Red.)
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Der Gablitzbach neben der
Dorfstrasse im Herbst 2008
Fotos Sammlung F.Vormaurer und mit herzlichen Dank an Frau C. Tauber